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    Zwischen Engagement und Selbstfürsorge

    29. März 2020

29. März 2020

Zwischen Engagement und Selbstfürsorge

Eine liebe Bekannte von mir hatte vor wenigen Tagen in ihren Arbeitstag. Sie hat sich sehr auf ihre neue Aufgabe gefreut und ist voller Engagement zu ihrem ersten Arbeitstag erschienen. Nach dem ersten Arbeitstag fragte ich an, wie es war. Sie war begeistert. Nette Kolleginnen und Kollegen, gutes Arbeitsklima und eine wunderbar zu ihr passende Aufgabe. Trotzdem kreisen schon jetzt ihre Gedanken zwischen Engagement und Selbstfürsorge.

Toll, wenn eine neue Aufgabe so gut anläuft und ein Mensch am genau richtigen Platz sitzt. Ich weiß von ihr, dass sie mit Leib und Seele dabei ist und wünsche ihr, dass diese Begeisterung für ihre Aufgabe und das Engagement auch genau so bleiben. Allerdings sieht sie an diesem strahlenden Himmel doch ein kleines dunkles Wölkchen: „Die Herausforderung ist, dass ich die Balance zwischen Beruf und Privatleben schaffen muss! Das wird für mich nicht einfach sein und immer wieder zur Herausforderung werden.“

So wie ihr geht es vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Der Grat zwischen Engagement und Selbstfürsorge muss jeden Tag aufs Neue austariert werden. Das ist den meisten Menschen durchaus bewusst. Schließlich gibt es ja auch ein Privatleben, das bedacht und gepflegt werden muss und will.

Wo beginnt die Selbstfürsorge?

Verschiedene Stufen der Selbstfürsorge lassen sich mit Hilfe der Maslowschen Bedürfnispyramide fassen. Sie wird von unten nach oben „gelesen“. Auf der untersten Stufe sind die physiologischen oder Grundbedürfnisse. Es muss mir körperlich und seelisch gut gehen, damit ich leben und arbeiten kann. Übertragen auf einen Arbeitstag handelt es sich dabei beispielsweise um ausreichend Schlaf. Auch sollten weitere Grundbedürfnisse wie die Gesundheit, Essen und Trinken befriedigt werden. Wenn von diesen Grundbedürfnissen dauerhaft etwas zu kurz kommt, kann ich mich nicht mehr konzentrieren, funktioniere eine gewisse Zeit nur noch wie eine Maschine, werde früher oder später psychisch oder physisch krank und ein Totalausfall scheint vorprogrammiert.

Die fünf Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide.

Auf der zweiten Stufe dieser Pyramide sind die Sicherheitsbedürfnisse. Wer Angst um seinen Arbeitsplatz oder Angst hat, seine Wohnung zu verlieren, weiß, dass diese Ängste jeden Menschen bis ins Mark treffen können. Die Sorge um den Verlust und die Suche nach Änderung bestimmen das gesamte Denken und lassen kaum noch klare Gedanken aufkommen, bis sich die Situation gebessert hat.

Von Selbstfürsorge zur Selbstverwirklichung

Auf Stufe 3 finden sich die sozialen Bedürfnisse. Niemand kann auf Dauer zufrieden und glücklich leben, wenn er nicht irgendein Gegenüber hat. Ob es sich dabei um Familie, Freunde oder andere Kontakt handelt, ist immer individuell unterschiedlich. Diese Kontakte zu anderen lassen sich schon mal für einen Zeitraum auf fast Null reduzieren, wenn es das Engagement des Jobs zu erfordern scheint. Aber dauerhaft gesund ist es nicht. Jemand, der zu viel arbeitet und seine sozialen Kontakte vernachlässigt, steht irgendwann – wenn der Job nicht mehr im Zentrum des Lebens steht – allein da. Und das kann sehr schmerzlich sein. Ab dieser Stufe kann sich ein Mensch Gedanken über sein berufliches Engagement und seine Selbstfürsorge machen.

Auf diesen drei Stufen folgt die Stufe der Wertschätzung. Wertschätzung bedeutet, dass ein Mensch von anderen nicht nur gesehen, sondern auch als Person und Individuum wahrgenommen wird. Diese Wertschätzung erfahren Menschen im Kreise ihrer Freunde und Familie. Die Wirklichkeit in Unternehmen sieht leider oft anders aus. Hier werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft als Nummer oder gar Instrument gesehen. Engagement im Beruf kann man von niemanden erwarten, der nur funktionieren soll.

Wer für sich in den vorangegangenen vier Stufen sagen kann: „Ja, da ist bei mir alles in Butter!“ ist in der glücklichen Situation, sich selbst zu verwirklichen. Denn wenn die unteren Stufen berücksichtigt sind, ist Raum und Zeit für sich selbst. In dieser höchsten Stufe findet sich ein ausgeglichener Mensch, der gesund, aktiv und engagiert leben und arbeiten kann. Ein erstrebenswerter Zustand.

Was heißt das nun für den Alltag?

Was bedeutet nun diese Maslowsche Bedürfnispyramide für einen einzelnen Menschen? Zunächst einmal müssen Haus und Hof gesichert sein. Wer nach einem langen und arbeitsreichem Arbeitstag am Abend hungrig vor einem leeren Kühlschrank steht, weiß, worum es geht. Zusammengefasst bedeutet das:

Wenn ich mit Begeisterung an etwas arbeite oder dabei bin, muss ich mich unbedingt um mich selbst kümmern, für mich gut sorgen. Ich muss mich zuallererst um mein körperliches Wohlergehen kümmern und trotz intensivem Arbeitseinsatz für einen vollen Kühlschrank sorgen. Wenn weiter mit Haus und Hof alles in Ordnung ist, ich keine Sorgen habe und meine Familie und mein Freundeskreis ausgleichend zum anstrengenden Job wirken, dann kann ich volle Leistung zeigen. Im Job und überall sonst, wo und was mir wichtig ist. Die Gratwanderung zwischen Engagement und Selbstfürsorge kann gelingen – jeden Tag aufs Neue.

Foto von Andrea Piacquadio von Pexels.com

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